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Beantwortet
Autor P. Schmidt am 23. November 2010
10204 Leser · 10 Stimmen (-1 / +9) · 0 Kommentare

Barer & unbarer Zahlungsverkehr

Abschaffung von Bargeld?

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus aktuellem Anlass sorge ich mich ein wenig um meine Bargeldreserven. Von Klein auf war ich es gewohnt, dass "sparen" gleich "Bargeld in eine Sparsau werfen" bedeutet, das habe ich auch - mir natürlich im Klaren seiend, dass dieses Bargeld durch die Inflation einen Wertverlust durchmacht - bis heute im Großen und Ganzen beibehalten.

Nun wollen die Skandinavier scheinbar das Bargeld abschaffen. Kann es dazu wirklich kommen? Wenn ja, wie lange wird es noch dauern? Wird eine Art "neuer Euro" oder "supernationaler Euro" eingeführt, vielleicht eine Art Plastikchip statt dem herkömmlichen Baumwolle-Hanf-Geldschein ? Werden Golddukaten weiterhin als quasi-Kurantmünzen und Anlagemünzen vorhanden sein? Machen wir einen Rückschritt vom Kreditgeld zum Kurantgeld durch?

Ich danke Ihnen für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,

Patrick Schmidt

+8

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Antwort
von Mag. Dr. Wolfgang Duchatczek am 20. Dezember 2010
Mag. Dr. Wolfgang  Duchatczek

Sehr geehrter Herr Schmidt!

Ihre Frage dürfte sich hauptsächlich auf die aktuelle Diskussion in Schweden beziehen. Dort gibt es Diskussionen, die Verwendung von Bargeld zugunsten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zurückzudrängen. Kern der Debatte ist die Auffassung, dass kriminelle Machenschaften durch Barzahlungen erleichtert werden, was durch jüngste spektakuläre Kriminalfälle verstärkt medial thematisiert wurde. Die Bestrebungen, den Bargeldverkehr zu reduzieren, stellen daher primär auf eine Bekämpfung der Schattenwirtschaft bzw. der Kriminalität ab. Diese Debatte ist auch vor dem Hintergrund der weiten Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Schweden zu sehen.

Für das Euro-Währungsgebiet ist zu sagen, dass diese Diskussion derzeit keine Rolle spielt. Im Gegenteil: Derzeit wird von allen Notenbanken des Eurosystems gemeinsam an einer neuen Euro-Banknotenserie gearbeitet, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten und dadurch die hohe Fälschungssicherheit der Banknoten dauerhaft zu gewährleisten. Darüber hinaus sehen wir uns auch anderen Zahlungspräferenzen gegenüber. Die Beliebtheit von Bargeld ist in den Euroländern nach wie vor ungebrochen und bargeldlose Zahlungen sind weniger weit verbreitet als etwa in Schweden. Obwohl Kartenzahlungen etwa in Österreich in den letzten Jahren stark zugenommen haben, werden hierzulande nach wie vor über 80% aller Transaktionen – vor allem Transaktionen des täglichen Lebens wie z.B. Tageszeitung, Kaffee – in bar abgewickelt. Dabei hat das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel aufgrund seiner universalen Verwendbarkeit einen hohen praktischen wie auch betriebswirtschaftlichen Nutzen. Weiters ist zu sagen, dass Bargeld in Form von Banknoten und Münzen auch einen symbolischen bzw. kulturellen Wert hat. Der komplette Verzicht auf Bargeld würde daher auch auf Widerstand stoßen – dies ist im Übrigen auch in Skandinavien durchaus der Fall.

Die Weiterentwicklung und Verbesserung von Bargeld sowie die Trends im Zahlungsverkehr werden auch in den Eurostaaten von Experten natürlich laufend diskutiert. Eine Abschaffung von Bargeld ist aus heutiger Perspektive keine Option.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Duchatzcek