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Beantwortet
Autor J. Frusciante am 08. September 2010
7715 Leser · 28 Stimmen (-0 / +28) · 0 Kommentare

Geldpolitik, Zinsen, Inflation

Basel III - Droht erneute Kreditklemme?

Sehr geehrtes Direktorium der OeNB,

droht uns mit den Bestimmungen von Basel III eine neue Finanzkrise? Die erhöhte Eigenkapitalquote der Banken wird voraussichtlich zu Einschnitten bei der Kreditvergabe führen. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Das Deutsche Bankensystem sieht eine "Stille Einlage" wie etwa bei der Commerzbank vor, bei der sich der Staat als stiller Teilhaber bei der Bank "einkauft" um Kapital zur Verfügung zu stellen. Ist das eine Option für Österreich oder käme das nicht einer Teilverstaatlichung gleich?

Mit freundlichen Grüßen

J. Frusciante

+28

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Antwort
von Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny am 04. November 2010
Univ.-Prof. Dr. Ewald  Nowotny

Sehr geehrter Herr Frusciante!

Bevor ich auf Ihre Fragestellung eingehe, möchte ich zu bedenken geben, dass es trotz der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise der vergangenen Jahre und diverser Anzeichen einer Kreditverknappung in Österreich bisher zu keiner Kreditklemme gekommen ist und das, obwohl das internationale Finanzsystem am Höhepunkt der Krise weitaus instabiler war als heute.

Die mit dem Begriff „Basel III“ betitelten Regulierungsvorschläge wurden erarbeitet, um das globale Finanz- und Bankensystem sicherer und krisenresistenter zu machen. Im Wesentlichen geht es bei Basel III darum, den Banken höhere Eigenkapitalquoten vorzuschreiben und die Risiken der Bankaktiva stärker an die tatsächlichen Risiken anzunähern. Dadurch soll die Krisenanfälligkeit des Bankensektors reduziert werden. Ich bin davon überzeugt, dass Basel III einen wichtigen Beitrag zur Finanzmarktstabilität und somit zur Verhinderung potenzieller Krisen leisten wird. Gleichzeitig möchte ich aber zu bedenken geben, dass auch die beste Aufsicht Instabilitäten und Krisen nicht immer verhindern wird können. In dieser Hinsicht verhält es sich ähnlich wie bei Erdbeben: Man kann zwar erdbebensichere Häuser bauen, die besser dagegen geschützt sind, aber ein Erdbeben an sich wird man nicht verhindern können.

Eine verbesserte Sicherheit ist allerdings natürlich nicht kostenlos. Es wäre also möglich, dass sich Kredite – aufgrund der realistischeren Risikobewertung – zumindest in der Übergangsphase verteuern könnten. Trotz dieser eventuellen Verteuerungen gehe ich jedenfalls nicht davon aus, dass Basel III zu einer restriktiven Krediteinschränkung führen wird. Somit kann von einer (neuerlichen) Kreditklemme auch nicht die Rede sein.

Selbstverständlich werden aber die konkreten Auswirkungen auf die Realwirtschaft von uns laufend beobachtet und überprüft. Bis jetzt zeigen die Berechnungen, dass sich die absehbaren Belastungen in einem verkraftbaren Rahmen bewegen. Das steht auch im Einklang mit den vorliegenden internationalen Schätzungen.

Zu Ihrer Frage betreffend „stille Einlagen“ möchte ich festhalten, dass diese Form der Finanzierung bei österreichischen Kreditinstituten keine Rolle spielt. Im österreichischen Bankenpaket wurde den Banken Mittel in Form von Partizipationskapital zur Verfügung gestellt. Stille Einlagen und Partizipationskapital, die im Rahmen der Bankenpakete von staatlicher Seite gezeichnet wurden, gelten unter Basel III jedenfalls bis 2018 als Kernkapital.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Nowotny