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Beantwortet
Autor Peter Wexelmaier am 21. Januar 2010
8987 Leser · 45 Stimmen (-5 / +40) · 1 Kommentar

Geldpolitik, Zinsen, Inflation

Bedeutet Wachstum Inflation?

Sehr geehrtes Direktorium,

wenn es jetzt mit unserer Wirtschaft langsam wieder besser läuft, gleichzeitig aber so viel Geld im Umlauf ist, wird dann nicht gleich wieder alles teurer?

Danke für eine kurze Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

Peter Wexelmaier

+35

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Antwort
von Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny am 11. Februar 2010
Univ.-Prof. Dr. Ewald  Nowotny

Sehr geehrter Herr Wexelmaier!

Einleitend möchte ich festhalten, dass es noch verfrüht wäre, die gegenwärtige Krise als beendet anzusehen. Die mittelfristigen Prognosen sehen nur ein langsames Wirtschaftswachstum voraus, die wirtschaftliche Situation ist also nach wie vor fragil.

Der Antwort zu Ihrer Frage möchte ich voranstellen, dass das vorrangige Ziel des Eurosystems und damit auch der OeNB die Gewährleistung von Preisstabilität ist. Es wird darauf geachtet, dass die Inflationsrate im Eurowährungsgebiet, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), mittelfristig unter, aber nahe bei 2 % liegt. Die EZB hat den Auftrag und die Instrumente alles zu unternehmen, um dieses primäre Ziel stabiler Preise zu erreichen. Das wichtigste Instrument zur Inflationssteuerung sind die Leitzinssätze, die, je nach wirtschaftlicher Lage, erhöht oder gesenkt werden und so eine Steuerung der Inflationsrate ermöglichen. Gegenwärtig befinden wir uns mit einem Zinssatz von 1 % auf einem historischen Tiefststand. Auf einen etwaigen Preisauftrieb kann jederzeit mit restriktiverer Geldpolitik (durch Erhöhung der Zinssätze) reagiert werden.

Die nationalen Regierungen und Zentralbanken haben am Beginn der gegenwärtigen Krise durch aktive Wirtschaftspolitik und expansive Geldpolitik dazu beigetragen den krisenbedingten Wachstumseinbruch abzumildern. Im Bereich der Geldpolitik sind die wichtigsten Instrumente die sogenannten Offenmarktgeschäfte. Im Eurosystem sind hier vor allem die Hauptrefinanzierungsgeschäfte zu nennen, im Rahmen derer sich Kreditinstitute refinanzieren können. Dabei vergibt die Europäische Zentralbank (EZB) – gegen die Hinterlegung von Sicherheiten – Darlehen an Geschäftsbanken. Diese „Tendergeschäfte“ haben Laufzeiten von einer Woche bis zu einem Jahr, danach werden die zur Verfügung gestellten liquiden Mittel automatisch wieder den Märkten entzogen und entfalten somit keine inflationären Wirkungen.

Potentiell kann Liquidität zwar inflationär wirken, sie kann dem Markt aber auch jederzeit wieder entzogen werden. Nun, da wir einen leichten Aufschwung erwarten, muss vor allem der richtige Zeitpunkt gefunden werden, zu dem den Märkten die bereitgestellte Liquidität wieder entzogen werden kann und inflationären Tendenzen durch restriktive Zinspolitik begegnet werden soll. Dazu ist es notwendig die Entwicklungen auf den Märkten genauestens zu beobachten und gegebenenfalls zu reagieren. Erste Schritte in diese Richtung wurden durch die Beendigung der Ein-Jahres-Tender bereits getätigt, andere alternative geldpolitische Instrumente sind derzeit noch in Kraft. Die EZB verfolgt stets eine Politik der ruhigen Hand und vermeidet so abrupte Veränderungen der Marktbedingungen, da dies negative Effekte auf die Märkte und somit auf das Wirtschaftswachstum mit sich bringen könnte.

Lassen Sie mich abschließend festhalten, dass wir gegenwärtig weder starke Inflations- noch Deflationsgefahren sehen, es besteht daher aus unserer Sicht auch keine unmittelbare Notwendigkeit die Geldpolitik der EZB zu verändern. Der EZB-Rat wird in seinen künftigen Sitzungen jedenfalls alle relevanten ökonomischen Veränderungen analysieren und seine Entscheidungen entsprechend treffen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr
Ewald Nowotny

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