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Autor Marius Zechner am 18. September 2012
8096 Leser · 28 Stimmen (-0 / +28) · 0 Kommentare

Geldpolitik, Zinsen, Inflation

Expansive Geldpoltik und deren Einfluss auf den technischen Fortschritt

Sehr geehrter Gouverneur Nowotny,
nach der von der EZB beschlossenen Ankündigung, Staatsanleihen unter gewissen Bedingungen aufzukaufen und das Thema expansive Geldpolitik wieder in aller Munde ist, würde ich Ihnen gerne eine Idee vorstellen, die die derzeitige Entscheidung und die Position der EZB stützt und eine kurzfristige Wirtschaftspolitik in Volkswirtschaften mit deren langfristigen Effekten thematisiert. Primär bin ich an Ihrer persönlichen Meinung interessiert, ob es sich lohnen würde Zeit und Energie in die Erforschung dieses Zusammenhanges zu stecken? Das angehängte Essay beschreibt ihn bis jetzt nur mit Worten, doch bin ich zuversichtlich einen mathematischen Lösungsansatz zu finden.
>https://docs.google.com/document/pub?id=1P3HQmMF3wcMSlUMD...

Die Grundüberlegung lautet wie folgt: Expansive Geldpolitik ist in komplexen Volkswirtschaften gerechtfertigt, wenn der technische Fortschritt und somit Innovation auf einem konstantem Level gehalten werden kann. Schlussendlich führt die technische Weiterentwicklung zu realem Wirtschaftswachstum und somit zu einer höheren Wohlfahrt. Auch wächst der technische Fortschritt nicht linear, sonder exponentiell und dieses Level an Weiterentwicklung mit künstlicher Nachfrage in Krisenzeiten zu halten, kann zu Innovationen führen, die mittel- bis langfristig reale Nachfrage und somit reales Wachstum erzeugen.

Metaphorisch gesehen ist eine Nationalbank wie ein Herzschrittmacher beim Menschen. Sie sorgt dafür, dass bei einem Infarkt das Herz wieder in seinen Schlagrhythmus kommt. Und wie beim Menschen muss Blut (Glaubwürdigkeit) zirkulieren, damit das Gehirn mit Energie und Sauerstoff (Geld und Humankapital) versorgt wird und so Innovation entstehen kann. Man könnte auch sagen, dass das Blut die Glaubwürdigkeit und der im Blut enthaltene Sauerstoff die Investitionen sind, während der Traubenzucker das Vertrauen darstellt. Jedenfalls braucht das Gehirn einen konstanten Fluss an Input, ansonsten wird keine Innovation entstehen. Welche Projekte und Investitionen sinnvoll sind und Gewinne abwerfen, bestimmt dezentral der Markt. Der Vergleich hinkt ein wenig, aber im Groben müsste man verstehen, was gemeint ist. Ideen können nur prosperieren, wenn der Wirtschaftskreislauf fließt.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass ein Herzschrittmacher keine Funktion hat, da nach einer gewissen Zeit wieder ein Infarkt auftauchen könnte und der Herzschrittmacher immer wieder eingreifen muss. Es solle doch nur der Stärkste, der ohne Herzschrittmacher überleben, da er offensichtlich der „Gesündeste“ ist. Doch betrachte ich reale Personen wie juristische Personen (=Firmen). Eine reale Person ist kreativ, passt sich ihrer Umwelt an, baut auf neuen Erfahrungen auf und gestaltet ihre Umwelt, ebenso wie eine juristische Person gleich handelt. Der Herzschrittmacher hilft insofern, dass es dieser Person Zeit ermöglicht, Reformen an sich selber durchzuführen und seinen Lebensstil auf nachhaltige und gesunde Weise zu ändern, damit es seltener oder vielleicht gar nicht mehr zu einem Infarkt kommt.
Wenn man zumindest sagen kann, dass mehr Innovation, speziell bei Grundlagenforschung, stattfindet, wenn man aktiv in die Wirtschaft via expansiver Geldpolitik eingreift, als ohne Maßnahmen, dann rechtfertigt es ein Intervenieren einer jeden Notenbank.

Speziell der Umstand, dass kleinste Änderungen in einem Anfangssystem große Auswirkungen auf ein Endergebnis haben können (konkret: Schmetterlingseffekt bei Innovationen), wird im Aufsatz untersucht. Ein wunderbares Beispiel zur Analyse dafür liefert Japan, wo die Zentralbank seit 20 Jahren eine konstante Niedrigzinspolitik betreibt. Allein im letzten Jahrzehnt kamen zahlreiche technische Neuerungen aus der japanischen Volkswirtschaft. Und trotz nomineller Stagnation geht es den Japanern wohl heute besser, da Erfindungen ihren Nutzen extrem erhöhten.

Die Phase des Immobilienbooms in den USA ist unter dieser Berücksichtigung natürlich auch extrem interessant. Leider erlaubt der Text aber nur maximal 600 Wörter, weshalb ich überall kürzen musste.

Welche Faktoren solche Entwicklungen stärken und welche Rolle die expansive Geldpolitik dabei spielt, möchte ich gerne untersuchen. Wohl unter anderem von der beschäftigten Bevölkerung, deren Bildungsniveau, dem Kapitalfluss und der Größe des Binnenmarktes. Nun wollte ich Sie fragen, ob Sie die Idee ebenfalls für förderungswürdig halten?

Mit freundlichen Grüßen!
Marius Zechner

+28

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