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Beantwortet
Autor Armin Schwedt am 27. Januar 2010
12798 Leser · 31 Stimmen (-3 / +28) · 5 Kommentare

Euro

Griechenland

Sehr geehrtes Direktorium der OeNB,

das wirtschaftliche Desaster in Griechenland macht Anlegern und Euro schwer zu schaffen. Welche Lösung halten Sie hier für richtig? Sollte Griechenland nicht der Austritt aus der Euro-Zone nahegelegt werden?

Mit freundlichen Grüßen,
Schwedt

+25

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Antwort
von Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny am 11. März 2010
Univ.-Prof. Dr. Ewald  Nowotny

Sehr geehrter Herr Schwedt!

Die Eurozone ist kein geschlossener Club, jedoch ein Club mit klaren Spielregeln. Griechenland – ebenso wie alle anderen Mitgliedstaaten – müssen diese Regeln einhalten.

Die Probleme in Griechenland haben in den letzten Wochen zu zahlreichen Spekulationen über ein mögliches Ende der Europäischen Währungsunion in der heutigen Gestalt geführt. Dass Griechenland tatsächlich aus der Eurozone austritt, ist aber ein absolut unrealistisches Szenario. Ein Austritt würde die Situation Griechenlands auch keineswegs verbessern. Stünde Griechenland nämlich alleine und wäre nicht in den großen Wirtschaftsraum der Eurozone eingebettet, so sähe es sich möglicherweise massiven Währungsspekulationen ausgesetzt, was die wirtschaftliche Lage noch weiter destabilisieren würde und Griechenland käme unter noch größeren Druck. Das Eurogebiet wirkt als Schutzschild für seine Mitgliedstaaten, was besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt. Der Euro hat aber auch die Funktion einer „Strukturpeitsche“, die die Mitgliedstaaten dazu zwingt ihr Verhalten zu ändern und notwendige Strukturreformen durchzuführen. Dies ist im Fall Griechenlands nur unzureichend geschehen. Für Länder gilt generell den Pfad der Untugend nie einzuschlagen. Eine Rückkehr auf den Pfad der Tugend ist nämlich ungleich schmerzhafter als das dauerhafte Einhalten der Spielregeln.

Wir haben in den letzten Wochen gesehen, dass der Kapitalmarkt des Euro-Währungsgebiets funktioniert. Dies zeigt sich daran, dass die Märkte die Mitgliedsländer der Eurozone differenzierter betrachten und für Staatsanleihen aus Ländern mit höheren Risiken – wie eben Griechenland – höhere Risikoaufschläge berechnen. Diese Risikoaufschläge sind letztlich ein gutes Regulativ um jene Länder, die sich verschuldet haben, zu einer disziplinierten Budgetpolitik zu zwingen.

Für die wirtschaftliche Erholung Griechenlands wird es jedenfalls von immanenter Wichtigkeit sein, dass die kürzlich beschlossenen Sparpläne auch konsequent umgesetzt werden. Die Verfolgung dieses Austeritätsplans wird auch von der EU-Kommission und vom EZB-Rat überwacht und unterstützt. Diese Sparmaßnahmen sind zwar unpopulär und werden auch zu schmerzhaften Einschnitten für die griechische Bevölkerung führen, sie sind aber notwendig, damit Griechenland mittelfristig wieder an ökonomischer Stabilität und Glaubwürdigkeit gewinnt.

Letztlich möchte ich noch betonen, dass wir aus der gegenwärtigen Situation die Lehre ziehen sollten, dass der Erstellung und Interpretation makroökonomischer statistischer Daten in Zukunft mehr Gewicht verliehen werden muss. Dazu müssen die Unabhängigkeit der nationalen Statistikämter sowie eine transparente Erhebung der Daten sichergestellt sein. Verfügt man über vertrauenswürdige und international vergleichbare Daten, können negative Entwicklungen, wie wir sie derzeit sehen, in Zukunft schon frühzeitig erkannt und rechtzeitig Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Diese Daten werden uns also auch dabei helfen zu überprüfen, ob die Länder der Eurozone die strengen Spielregeln, die sie sich selbst auferlegt haben, auch tatsächlich einhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Ewald Nowotny

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