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Beantwortet
Autor robert soelkner am 23. Juli 2010
8740 Leser · 35 Stimmen (-1 / +34) · 0 Kommentare

OeNB im Eurosystem & Europäische Zentralbank

offene Fragen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gerne nütze ich das Angebot Ihrer Anzeige mit der Möglichkeit Fragen an Sie per Mail zu stellen.

1. Wie können Sie garantieren, dass es den Euro noch viele Jahre geben wird?
2. Wie können Sie garantieren, dass es in den nächsten Jahren keine Währungsreform geben wird?
3. Wie können Sie die Preisstabilität des Euro bei so katastrophalen Mitgliedsländer garantieren oder beeinflussen?

Erbitte Beantwortung !

Danke.

Mit freundlichen Grüßen

+33

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Antwort
von Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny am 10. September 2010
Univ.-Prof. Dr. Ewald  Nowotny

Sehr geehrter Herr Sölkner!

Der Euro blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück, die schon 1957 mit dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft begann. Unsere heutige Währung wurde schließlich 1999 als Buchgeld und 2002 als Bargeld eingeführt. Und diese lange Geschichte des Euro ist eindeutig eine Erfolgsgeschichte. Seine Vorteile liegen klar auf der Hand: Rund zwei Drittel des Außenhandels des Euroraums entfällt auf den Handel mit anderen Euro-Mitgliedsländern und wird in der Gemeinschaftswährung abgewickelt. Ebenso wie eine allen gemeinsame Sprache die Kommunikation erleichtert, so vereinfacht ein gemeinsames Zahlungsmittel die Abwicklung von Geschäften. Beispielsweise muss in einer Welt mit vielen nationalen Währungen eine Absicherung gegen Wechselkursrisiken getroffen werden. Die dadurch entstehende Verteuerung des Außenhandels entfällt somit in einer Währungsunion. Laut Schätzungen der EU-Kommission (ec.europa.eu) belaufen sich diese Einsparungen auf 45 bis 90 Mrd Euro (0,5 – 1 % des BIP des Euroraums). Gerade Österreich profitiert als kleine, offene Volkswirtschaft von diesen Vorteilen überproportional. Die für die gemeinsame Geldpolitik des Euroraums zuständige Europäische Zentralbank (EZB, www.ecb.int) ist weltweit die Unabhängigste aller Notenbanken und sie konnte ihr Ziel, nämlich die Gewährleistung von Preisstabilität (also einer Inflationsrate von unter, aber nahe bei 2 Prozent), in den letzten zehn Jahren eindeutig erfüllen. Darüber hinaus konnte sich der Euro in der kurzen Zeit seines Bestehens als internationale Reservewährung etablieren. All diese Argumente zeigen deutlich, wie erfolgreich der Euro und die gemeinsame Geldpolitik der EZB sind. Natürlich kann man die Zukunft nicht vorhersagen und es lässt sich nichts für alle Ewigkeit garantieren. Klar ist aber, dass Dinge, die so erfolgreich und vorteilhaft sind wie der Euro auch Bestand haben.

Um Ihre weiteren Fragen zu beantworten, möchte ich kurz darstellen, wie eine Zentralbank die Inflationsrate beeinflussen kann: Die Steuerung der Inflationsrate erfolgt primär über die Höhe der Leitzinssätze, also jener Zinssätze, zu denen sich Kreditinstitute bei der EZB refinanzieren können. Die geldpolitischen Entscheidungen werden über den „geldpolitischen Transmissionsmechanismus“ an die Wirtschaft weitergegeben. Das bedeutet beispielsweise, wenn der Leitzinssatz gesenkt wird, so sinken auch die Refinanzierungskosten der Banken. Diese geben die besseren Konditionen an die Wirtschaft weiter, es sinken die Kreditkosten, die wirtschaftliche Aktivität (Investitionen und Konsum) und die Inflation steigen an. Umgekehrt führt eine Erhöhung der Zinssätze zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität und zu einer Reduktion der Teuerungsrate. (Eine detaillierte Darstellung des Transmissionsmechanismus und der verschiedenen Transmissionskanäle finden Sie auf der OeNB-Webseite:

www.oenb.at/de/geldp_volksw/geldpolitik/wirtschaft/wie_wi....

Auch die EZB macht sich den beschriebenen Mechanismus zu nutze. So wurde der Leitzinssatz am Anfang der gegenwärtigen Krise, als das Wachstum einbrach und deflationäre Tendenzen zu beobachten waren, auf einen historischen Tiefststand gesenkt (aktuell 1 Prozent). Die EZB hat also die notwendigen Instrumente, um Preisstabilität und den Bestand des Euro zu gewährleisten. Sie hat dies seit ihrem Bestehen bewiesen und sie wird dieses Ziel auch in Zukunft konsequent und entschlossen verfolgen.

Abschließend möchte ich noch betonen, dass es keine „katastrophalen Mitgliedsländer“ im Euroraum gibt. Die Probleme, die etwa Länder wie Griechenland haben, sind budgetärer Natur und diese Schwierigkeiten haben sich aufgrund der schweren Krise der letzten Jahre natürlich noch verstärkt. Das bedeutet aber nicht, dass das Eurowährungsgebiet in Gefahr ist. Ich möchte hierbei auch zu bedenken geben, dass beinahe alle Staaten derzeit mit krisenbedingten Haushaltsproblemen zu kämpfen haben, nicht zu letzt auch die größte Wirtschaftsmacht der Welt, die USA.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Nowotny