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Beantwortet
Autor Susanne Meier am 07. Januar 2011
8697 Leser · 11 Stimmen (-0 / +11) · 0 Kommentare

Euro

Vorteile Währungsänderung in Estland

Sehr geehrte Herren der OeNB,

welche Vorteile hat die Euro Einführung für ein Land wie Estland aus Ihrer Sicht noch, außer eine Vereinfachung des innereuropäischen Zahlungsverkehrs? Und welche Vorteile hat das für andere Euro Länder?

Mit freundlichen Grüßen,

Susanne Meier

+11

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Antwort
von Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny am 31. Januar 2011
Univ.-Prof. Dr. Ewald  Nowotny

Sehr geehrte Frau Meier!

Die Vorteile einer gemeinsamen Währung sind gerade für ein kleines Land wie Estland natürlich vielfältig. Lassen Sie mich auf folgende zentrale Aspekte näher eingehen:

Wie Sie wissen, hat Estland am 1. Jänner 2011 als 17. Land den Euro eingeführt. Damit ist der Euro nun für insgesamt 331 Millionen Menschen oder rund zwei Drittel aller EU-Bürgerinnen und Bürger gesetzliches Zahlungsmittel. Estland, genauer gesagt die estnische Zentralbank Eesti Panki (www.eestipank.info), kann somit als Teil des Eurosystems auch in den entsprechenden Gremien der Europäischen Zentralbank (EZB, www.ecb.int) an der gemeinsamen Geldpolitik im Euroraum mitwirken. Der estnische Zentralbankgouverneur ist nun vollwertiges Mitglied des EZB-Rats und seine Stimme verfügt über ein ebensolches Gewicht wie das aller anderen Mitglieder (Anmerkung: Der EZB-Rat setzt sich aus EZB-Direktorium, Präsidium und den Gouverneuren der 17 Eurosystem-Zentralbanken zusammen).

Grundsätzlich bietet eine Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) für seine Mitgliedsstaaten den Vorteil, dass im Handel mit anderen Staaten des Binnenmarktes Wechselkursfluktuationen ausgeschaltet werden, was eine wesentliche Erleichterung für die jeweiligen Exportindustrien bedeutet. Für die estnische Wirtschaft heißt dies, dass sich die Möglichkeit bietet, leichter neue Exportmärkte zu erschließen. Umgekehrt bedeutet es natürlich, dass der Zugang zum estnischen Markt für die übrigen Länder der Währungsunion erleichtert wird. Aber nicht nur den Wirtschaftstreibenden wird die Kalkulation dadurch erleichtert, auch Konsumenten und Konsumentinnen bringt die gemeinsame Währung Vorteile, beispielsweise im Tourismus. Mit anderen Worten heißt das, dass eine gemeinsame Währung dazu beiträgt, Transaktionskosten zu reduzieren, wodurch die wirtschaftlichen Abläufe erleichtert und verbilligt werden.

Darüber hinaus aber – und das hat gerade die Krise der letzten Jahre gezeigt – bietet ein großer Währungsraum auch Schutz vor Spekulation, wohingegen ein einzelnes kleines Land mit seiner nationalen Währung weitaus gefährdeter ist. Wird erfolgreich gegen eine Währung spekuliert, so kann die betroffene Währung im Extremfall destabilisiert werden – mit entsprechenden negativen Wirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit, das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung. Innerhalb eines großen Währungsraums, der über viel größere Währungsreserven verfügt, ist ein Land vor dieser Gefahr relativ sicher.

Letztendlich wirkt sich die Mitgliedschaft bei einer Währungsunion positiv auf den wirtschaftlichen Aufholprozess aus, der in den zentral, ost- und südosteuropäischen Ländern bereits begonnen hat. Das heißt, dass sich der Wohlstand der Bevölkerung auch in Estland weiterhin erhöhen und dem west- und mitteleuropäischen Standard annähern wird.

Abschließend möchte ich noch betonen, dass die Einbettung Estlands in das Euro-Währungsgebiet jedoch nicht nur von ökonomischer Bedeutung ist. Denn durch die Euro-Einführung rückt das Land auch politisch und in der Wahrnehmung der Bevölkerung als gleichberechtigter Partner wieder näher an Europa. In diesem Sinne ist die fortschreitende Integration weiterer Staaten in das Eurogebiet auch Teil des Friedensprojekts eines gemeinsamen Europas.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Nowotny