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Beantwortet
Autor Rüdiger Storck am 09. Dezember 2010
8894 Leser · 15 Stimmen (-0 / +15) · 0 Kommentare

OeNB im Eurosystem & Europäische Zentralbank

Wie gedenken Sie andere Länder für EZB-Anleihe zu gewinnen?

Sehr geehrter Herr Nowotny,

laut Medienberichten der vergangenen Woche sprechen Sie sich für eine EZB-Anleihe aus, um eine Stärkung des Europäischen Kapitalmarkts zu erreichen. Wie gedenken Sie die Gegner, allen voran Deutschland, von dieser Idee zu überzeugen? Staaten mit hoher Bonität refinanzieren sich über den Kapitalmarkt derzeit günstiger, als dies bei gemeinsamen Euro-Anleihen der Fall ist. Was zur Folge hätte, dass die Zinssätze der Gemeinschaftsanleihe jene der Deutschen Bundesanleihe übersteigen würden. Wie wollen Sie da Deutschland oder auch andere Länder mit hoher Bonität mit ins Boot holen?

+15

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Antwort
von Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny am 17. Januar 2011
Univ.-Prof. Dr. Ewald  Nowotny

Sehr geehrter Herr Storck, sehr geehrter Herr Wendler!

Erlauben Sie mir Ihre Fragen (http://www.direktzu.at/oenb/messages/29771), die sich ja beide auf die Eurobond-Thematik beziehen, mittels einer gemeinsamen Stellungnahme zu beantworten.

Unterschiedliche Positionen hinsichtlich der Einführung von Euro-Bonds sind nicht in Begrifflichkeiten von Wissen und Kompetenz zu diskutieren; denn – so wie bei vielen anderen Fragestellungen – gibt es auch hier unterschiedliche, jedoch gleichermaßen begründbare Meinungen. Die gegenwärtige Debatte zur Euro-Bond-Einführung befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium und ist derzeit überdies kein vorrangiges politisches Thema. Sie sollte – so wie auch die Politiker Pröll, Schäuble und Juncker bereits feststellten – in einer ruhigeren Atmosphäre unter Einbeziehung der Positionen von Expertinnen und Experten geführt werden. Denn um zur bestmöglichen Entscheidung zu gelangen, ist eine Versachlichung der Diskussion notwendig.

Konkret deckt sich in der derzeitigen Situation die Position der Oesterreichischen Nationalbank etwa mit den Positionen der Deutschen Bundesbank oder auch der Nederlandsche Bank. Das heißt, wir sehen derzeit keine Notwendigkeit und Möglichkeit für Eurobonds in der von Ihnen dargestellten Form.

Ich darf Ihnen zusätzlich mitteilen, dass es, wie ich aus einem klärenden Gespräch weiß, diesbezüglich auch keine Differenz mit meinem von mir sehr geschätzten Vorgänger Klaus Liebscher gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Nowotny